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Wargames - Greetings Professor Falken... (Teil 1 von 2)
 
Wargames - Greetings Professor Falken...
(Teil 1 | Teil 2)


Ein Artikel von Guido Frank im Oktober 2005.



Wargames Logo

In unserer Phantasie bewegen sich Hacker als moderne Piraten illegal durch die Welt der digitalen Computernetze. Immer auf der Jagd nach wertvollen Informationen entschlüsseln Sie geheime Passwörter oder suchen elektronische Sicherheitslücken.

Dabei führen Sie eigentlich nie ernsthaft etwas Böses im Schilde, fast so wie einst Robin Hood, der berühmte Rebell aus dem Sherwood Forrest. Gerade Spielfilme zeigen Hacker gerne als heroische Einzelkämpfer, die schnell und problemlos in Computersysteme eindringen, um dadurch mal eben die Welt zu retten. Der Film Matrix verkörpert wohl am Besten dieses gängige Klischee. Vermutlich verlangt das Mainstream-Kino jene überzogene Darstellung, aber wollen wir tatsächlich solche Superhelden sehen?

David Lightman, die Hauptfigur von Wargames
Abbildung:
David Lightman, die Hauptfigur von Wargames
  David Lightman, die Hauptfigur von Wargames war dagegen absolut konträr. Als Teenager der 80er Jahre ging er noch zur Schule, räumte sein Zimmer nicht auf, verbrachte seine Freizeit lieber mit Videospiele anstatt mit Schulaufgaben und konnte, obwohl er an der amerikanischen Westküste lebte, noch nicht einmal schwimmen! David verkörperte das, was man in Amerika einen "Nerd" bezeichnen würde.

Intelligent und begabt, ein Genie am Computer und begeisterter Videospieler, jedoch mit geringem Erfolg in der Schule und nur wenigen Freunden. Matthew Broderick spielte sich mit dieser Rolle in die Herzen der Kinozuschauer und schaffte so seinen eigenen Durchbruch in Hollywood. In gewisser Weise wurde er zum Vorbild für ein ganze Generation von Computerfans, den egal wie hoffnungslos seine Lage auch war, "David Lightman" gab niemals auf!

Der Film

1983 widmete sich John Badham als erster Regisseur der aufkeimenden Hackerszene und traf damit genau den Puls der Zeit. Dank der Homecomputerwelle von Commodore und Atari erlangte Wargames nur knapp ein Jahr nach Disney's Überraschungserfolg Tron ebenfalls Kultstatus für das neue Computergenre. Ein Einspielergebnis von 75 Mio. Dollar und drei Oskarnominierungen zeigen den Erfolg des Films aber auch im kommerziellen Bereich. Im Gegensatz zu Tron verzichtete Wargames dabei völlig auf computeranimierte Spezialeffekte, sondern setzt hauptsächlich auf seine aufregende und geniale Handlung.   John Badham - Regisseur von Wargames
Abbildung:
John Badham - Regisseur von Wargames

Logon:

Der 16-jährige Computerfreak David Lightman hackt sich auf der Suche nach neuen Videogames der Softwarefirma Protovision versehentlich in das Frühwarnsystem der amerikanischen Verteidigungszentrale NORAD (North American Air Defense Command) und löst dadurch einen simulierten Nuklearangriff der Sowjetunion aus.
  • David: "Is it a game, or is it real?"
  • Joshua: "What's the difference?"

Der NORAD Zentralcomputer Joshua kennt keinen Unterschied zwischen Simulation und Wirklichweit und reagiert mit realen Gegenmaßnahmen. Zuletzt versucht Joshua, offiziell genannt WOPR (War Operational Plan Response), die amerikanischen Interkontinentalraketen für einen atomaren Gegenschlag alleine zu starten. Nur David begreift als einziger den Ernst der Lage und versucht nun verzweifelt das Militär zu warnen. Von da an beginnt ein spannender Wettlauf mit der Zeit um einen dritten Weltkrieg zu verhindern.

Schach, Dame, Poker... und globaler, thermonuklearer Weltkrieg!

Weltkrieg - die Zeit läuft!
Abbildung:
Weltkrieg - die Zeit läuft!
  Sicherlich sind verschiedene Szenen im Film etwas überspitzt dargestellt und dienen einzig zur Erhaltung der atemberaubenden Spannung. Bis heute frage ich mich zum Beispiel wer eigentlich die Zeit von globaler thermonuklearer Weltkrieg auf die insgesamt 73,5 Stunden voreingestellt hat? Aber mal abgesehen von solchen ungeklärten Fragen spielt der Film perfekt mit den realen Ängsten einer atomaren Apokalypse, die während des kalten Krieges eine ständige Bedrohung unserer modernen Zivilisation darstellte.

Ein unterirdischer Atombunker
Abbildung:
Ein unterirdischer Atombunker
  Tatsächlich kam es am 3. Juni 1980 zu einem computergenerierten Störfall, der die amerikanischen Streitkräfte für ca. 8 Minuten in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Die Handlung von Wargames war also absolut keine reine Fiktion der Drehbuchautoren, wie es das Militär damals gerne erklärte. Im Jahr 1993 hatte ich selbst die Gelegenheit in Süd-Arizona ein atomares Raketensilo der US Luftwaffe (Lageplan) zu besichtigen.

Erschreckende Erkenntnisse

Die Eindrücke dort waren für mich mehr als erschreckend. Nicht nur aufgrund einer original "Titan" Atomrakete mit Mehrfachsprengkopf, sondern vielmehr wegen der antiquierten Technik die sich dort bis Anfang der 80er Jahre im Einsatz befand. Die Supermächte starteten ihr Wettrüsten bereits kurz nach dem zweiten Weltkrieg und ebenso alt und überholt sah in diesem Silo das ganze elektronische Inventar aus.   Original Titan II Missile Silo Locations der US Air Force in South Arziona
Abbildung:
Original Titan II Missile Silo Locations der US Air Force in South Arziona

Atomare Raketentechnik war also beileibe nicht so hochentwickelt wie wir es uns damals naiverweise immer vorstellten. Der Gedanke, daß unser Weltfrieden jahrzehntelang durch längst überholte Elektronik bewahrt wurde, hat mich im nachhinein ziemlich erschaudern lassen. Unvergessen bleibt mir bis heute das zynische Verbandsabzeichen der Titan-Raketenstreitkräfte aus Arizona. Ein hämisch grinsender Joker, abgebildet auf einer Spielkarte mit dem Untertitel: "The Ace in the hole".

Erkannt? - Der IMSAI 8080

IMSAI 8080 von IMS Associates
Abbildung:
IMSAI 8080 von IMS Associates
  Den gleichen Computer benutzte David auch im Film. Der Rechner ist für Wargames vorab so programmiert worden, daß egal welche Tasten Matthew Broderrick bei den Dreharbeiten drückte, immer der richtige Text am Bildschirm erschien. Hergestellt in den Jahren 1976 bis 1979 war der IMSAI 8080 einer der ersten in Serie produzierten Mikrocomputer überhaupt. Er kostete zu dieser Zeit etwas 1000 US Dollar und kam von der Firma IMS Associates.

Hinter den Kulissen von Wargames

Bei Wargames ist der Einfluss der damals neuen Videospiele bereits stark zu spüren. Aus diesem Grund stellte das Filmstudio Matthew Broderick für zwei Monate den Spielautomaten Galaga (Namco) zur Verfügung, damit er sich entsprechend auf die verschiedenen Filmszenen in einer amerikanischen Spielhalle vorbereiten konnte.

Übrigens versteckt sich hier auch ein kleiner Fehler im Film, wer gut aufpasst bemerkt, das David beim Spielen mit Galaga ein Raumschiff verliert und darauf das Spiel plötzlich mit Game over endet, obwohl er in der vorherigen Szene noch eine ganze Menge Raumschiffe zur Verfügung hatte.   David Lightman spielt mit Galaga
Abbildung:
David Lightman spielt mit Galaga

Ein weiterer netter Gag für Videospielfans findet man in der Szene, als eine Besuchergruppe im Crystal Palace durch eine Computerstimme "begrüßt" wird. Der kurze elektronische Soundeffekt am Anfang dieser Durchsage stammt natürlich ebenfalls aus dem Arcadehit Galaga.

Original-Sounds aus Galaga:



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