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Tron - Gladiatoren auf dem Spieleraster
(Teil 1 von 5)
 
Tron - Gladiatoren auf dem Spieleraster
(Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5)


Ein Artikel von Michael Braun im Februar 2005.



Tron Logo

Dieser Artikel wurde geschrieben für all die "USER" unter euch, die auch heute noch an das Gute und Böse im Computer glauben, für diejenigen, bei denen sich in ihren Kindheitserinnerungen neonfarbene Leuchtspuren eingebrannt haben und die selbst einfachen Kalkulationsprogrammen noch eine gewisse Ästhetik abgewinnen können.

Und BITTE: Denkt darüber nach, bevor ihr ein Programm löscht!

Die Kapitel dieses Artikels
TRON - Der Film



Ich schätze den meisten Lesern brauche ich wohl nicht großartig erklären, warum dieser Film etwas ganz Besonderes im Science Fiction Genre darstellt. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja den ein oder anderen unter euch, der doch noch gerne etwas mehr zu diesem Walt Disney Klassiker erfahren möchte bzw. der hier neue interessante Infos zum Kinofilm erhält.

Walt Disney - ja ihr habt richtig gelesen. Ausgerechnet Walt Disney, wobei die bis 1982 doch nur nett animierten Zeichentrick oder eher hausbackene Filme, wie z.B. Herby, dem bekannten pfiffigen VW-Käfer, produzierten. Donald Kushner, Produzent von TRON, erzählt dass Disney im Grunde auf der Liste der Filmstudios, die TRON als Film herausbringen könnten, ganz unten stand.

TRON-Storyboard: Lightcycle-Szene
Abbildung:
TRON-Storyboard: Lightcycle-Szene
  Aber Disney wollte sich modernisieren, war sehr aufgeschlossen und lies sich leicht von Regisseur und Drehbuchautor Steven Lisberger überzeugen. Nicht zuletzt durch ein vollendetes Konzept, welches Lisberger (weil er den Film anfangs alleine, quasi als Independent-Film herstellen wollte) präsentieren konnte.

Nun aber kurz zum Inhalt des Films

Spielprogrammierer Flynn (gespielt von Jeff Bridges) wird von seinem ehemaligen Chef Ed Dillinger (gespielt von David Warner) betrogen, der sich per Computermanipulation, der Rechte seiner Programme bemächtigt. Seine eigenen Arcadeautomaten in den Spielhallen spielend findet Flynn einen Weg, über ehemalige Kollegen noch einmal den Zugriff auf das Computersystem der Firma (ENCOM) zu bekommen. Während der"illegalen" Aktion wird Flynn von einem ebenfalls bei ENCOM entwickelten Vorrichtung die es ermöglicht Materie per Laserabtastung von einen Ort zum anderen per Umweg durch den Computer zu transferieren, in den Speicher eben dieses Computers transferiert. Im Grunde beginnt hier der Film.

Flynn muss sich hier in einer Art moderner Gladiatorwettkämpfen gegen andere, vom Master Control Program (MCP unterstützt vom gemeinen "SARK"), dem mittlerweile mächtigen Computergehirn von ENCOM, zur Wehr setzen. Was ihm auch gut gelingt, da er sich im Grunde inmitten seiner eigenen Spiele befindet. Er lernt diverse Programme kennen, die auch vom MCP gefangen wurden, so auch TRON (gespielt von Bruce Boxleitner), sein eigenes Detektiv-Programm, welches er vor kurzem erst entsandte, um Dillinger des Betrugs zu überführen.

Nach einem Wettkampf gegen MCP-gläubige Gegner gelingt Flynn mit Tron und einem weiteren Programm namens "RAM" die Flucht vom "Game-Grid". Nach vielen Kämpfen, Flucht und Abenteuer gelingt es schließlich TRON seinem Programmierer (einem unter "Programmen" genannten "User") durch Zerstörung des MCP, mittels gezielter Würfe seines Kampf-Diskus, dass Flynn wieder in die reale Welt transferiert wird. HAPPY END (welches wiederum sehr gut zu Disney passt).

Computer im Kino?

So manch ein Kinobesucher mag sich damals aufgrund des Computer-Themas, welches damals sehr aktuell war, dazu bewogen gefühlt haben, ein paar Mark für das Leinwandvergnügen zu investieren. Letztendlich war es aber die völlig neue, und nicht nur meiner Meinung nach bisher einmalige Machart des Films, was die Zuschauer damals dazu bewegte, ins Kino zu gehen und vor allem dazu führte, dass es heute, über 20 Jahre danach, immer noch zahlreiche Fans dieses bemerkenswerten Kultfilms gibt!   Programm und Regisseur: Steven Lisberger und Darsteller Jeff Bridges
Abbildung:
Programm und Regisseur -
Steven Lisberger und Darsteller Jeff Bridges

Elektronische Neon-Effekte

Neu an TRON war, dass Computeranimation mit "Life-Action" auf beinahe perfekte Art in einem Film vereint wurden. Steven Lisberger hat vor TRON Kurzfilme hergestellt (Animation, Werbung, Sesamstraße) wobei er merkte, dass er mit einem Film, der auf Backlight-Technologie basierte, besonderen Erfolg hatte. Dieser Film, der im nachhinein quasi von hinten beleuchtet wurden und einen tollen Neon-Effekt erzeugte, brachte ihn auf die Idee, einen Spielfilm in dieser Machart zu drehen. Der Name "TRON" entstand im Grunde aus einer Figur, die in eben diesem Werbefilm auftauchte und so "elekTRONisch" aussah. In einem Interview sagt Lisberger, dass er inspiriert wurde durch die damals aktuellen ATARI-Spiele Pong und Breakout. Er bedauert, während er auf der Suche nach neuen Ideen für TRON 2 ist, dass der Spielraum für künstlerische Interpretation, der bei den 80er-Jahren Spielen noch gegeben war, durch die heutige, grafisch immer besser präsentierte Spiele eher "limitierend" wirkt!

3D-Animationen in 1982?

Die Produktion von TRON war natürlich etwas komplizierter als die eines Animationsfilms. Zunächst heuerte Lisberger Computerfirmen an, die für die 3D-Animation der Hintergründe, Raumschiffe und Fahrzeuge zuständig sein sollten. Und jeder der weiß, auf welchem technologischen Stand die Computer 1982 waren und heutzutage einen computeranimierten Film sieht, wundert sich wie die Firmen (MAGI-Sythavision, Triple-I (Information International), Digital Effects Inc.) damals solche Grafiken zustande bringen konnten. Triple I hatte einen Computer namens Phoonly, der ca. so groß war wie heutzutage drei Gefrierschränke. Die transparenten Segel des Solar Sailer waren besonders schwierig herzustellen. Fließende Grafik, wie in heutigen Computerspielen gab es nicht - alles musste per Tastatur und Koordinaten (welche Position im Raum und welche Schräglage das Light-Cycle in der Filmszene gerade haben musste) eingegeben werden.

Hand anlegen

Aber: viele Szenen im Film, die Computeranimation vermuten lassen sind "Handarbeit", da dies natürlich ein paar Dollars einsparte (was man aber nicht unbedingt sehen kann). Aber die Computeranimation war nur die eine Hälfte des Projektes. Alle Szenen mit Schauspielern wurden in Schwarz-Weiss vor schwarzem Hintergrund gedreht. Die "grauen" Kostüme der Schauspieler trugen schwarze Markierungen, die nachträglich per Backlight-Technik, praktisch "Bild-für-Bild", in Neonfarben coloriert wurden - wie es normalerweise nur bei Zeichentrickfilmen gemacht wird. Die Gesichter, Augen und Zähne der Schauspieler wurden dabei ausgeschnitten, in allen Szenen noch mal negative Fotos herbeigezogen, bestimmte Bereiche aufgehellt... So brauchte es am Ende 24 Schichten von Fotos, besser gesagt Folien, die noch mal einzeln gefilmt werden mussten, um diesen Film Realität werden zu lassen.

Die Oscar-Filmakademie lehnte es ab TRON zur Nominierung für die Kategorie "Spezialeffekte" zuzulassen, weil in diesem Film Szenen per Computer gedreht wurden - aus heutiger Sicht natürlich einfach lächerlich!

Pac-Man lässt grüßen

Pac-Man meets TRON
Abbildung:
Pac-Man meets TRON
  Ein kleines "Schmankerl": Pac-Man meets TRON (eine Filmszene, wo der Macher von TRON Pac-Man in's Spiel brachten). Wer den Film in erstklassiger Bildqualität erleben möchte, sollte ihn sich auf DVD kaufen! Die Szenen sehen aus wie gerade gedreht - nicht wie aus dem Ende des letzten Jahrhunderts.

Wer diesen Film liebt kann sich auch die Deluxe Edition zulegen, die neben dem eigentlichen Film noch eine zweite DVD bietet, auf der es viele zusätzliche Features gibt wie z. B. Entwicklung, Making of, viele Interviews, Werbung, Merchandising, Storyboarding...

Tron 2.0 - Der Film

Die Anzeichen verdichten sich, dass es eine Fortsetzung von TRON geben wird. Nicht nur, dass es einen Fake-Trailer gibt, das Spiel Tron 2.0 auf den Markt kam und die Merchandising-Welle schon jetzt bemerkbar ist. Steven Lisberger und Disney-Verantwortliche künden es mehr oder weniger auf der Bonus-DVD der Deluxe-Edition an, dass da etwas in der Mache ist... die Frage scheint nur zu sein, wann der Film in die Kinos kommt, denn Jeff Bridges hat wohl schon zugesagt, in TRON 2 mitzuspielen - eine ähnliche Rolle wie Marlon Brando in Apocalypse now - lassen wir uns überraschen! Meiner Meinung nach bräuchte es keinen zweiten Teil geben, da TRON einfach nicht zu toppen ist!



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