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30 Jahre Sternenkrieg - Timeline der Star Wars Videospiele
(Teil 3 von 4)
 
30 Jahre Sternenkrieg - Timeline der Star Wars Videospiele
(Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4)


Von Guido Frank im Mai 2008



Star Wars - The Arcade Game
Programmierer: Bob Smith, 1983

Star Wars - The Arcade Game (Atari VCS, 1983) Star Wars - The Arcade Game (Atari VCS, 1983)

Während Parker mit seiner Lizenz den Konsolenmarkt beherrschte, hatte Atari unterdessen auf dem Sektor der Spielautomaten endlich nachgezogen. Im Jahr 1983 erschien nun auch das erste Arcadespiel mit Sprachausgabe.

Bei "Star Wars" handelte es sich um ein äußert rasantes 3D Spiel, basierend auf farbiger Vectorgrafik, die schon bei Atari's Panzersimulation "Battle Zone" erfolgreich zum Einsatz kam. Der Automat sah damit zwar nicht besonders bahnbrechend aus, Vektorgrafik ermöglichte dafür eine atemberaubende Spielgeschwindigkeit. Genau richtig für den sagenhaften Anflug des X-Wing im Tunnel des imperialen Todessterns. Zweifellos der Höhepunkt aus dem ersten Teil und gleichzeitig das Highlight des gleichnamigen Spielautomaten.

Originalbilder des Star Wars Automaten von Atari, 1983

Star Wars Automaten von Atari, 1983 Star Wars Automaten von Atari, 1983

Kurioserweise war es nicht Atari, sondern wiederum Parker, die genau jenes erste Arcadegame auf dem VCS veröffentlichte. Wahrscheinlich lag es an den bereits vergebenen Lizenzen für Heimkonsolen, aber das ausgerechnet Parker eine hauseigenen Atariproduktion für das VCS entwickelte und nicht auf andere Konzepte zurückgriff, ist doch recht erstaunlich.

Technisch gesehen wirkte die Umsetzung von Bob Smith recht gelungen, leider kam das Spiel zu spät in den Handel, die Heimcomputer ersetzten langsam die alten Konsolen und so zählt "the Arcade Game" zu den eher unbekannten Titeln aus der großen VCS Ära. Atari's "Star Wars" wurde später immer wieder als Vorlage verwendet. Auf zahlreichen Homecomputern finden sich Adaptionen des Automaten, selbst für den Amiga 500 existiert noch dieser alte Klassiker. Neuere Versionen stammen freilich nicht mehr von Parker, sondern bereits von anderen Software-Publishern wie Domark, bzw. Broderbound.

Star Wars für den Commodore 64

Star Wars - The Arcade Game (Commodore 64, 1988) Star Wars - The Arcade Game (Commodore 64, 1988)

Hier im Vergleich einige Fotos der C-64 Variante von 1986 aus dem Hause Domark. Nur die Versionen der Homecomputer hatten ein eigenes Startbild mit Star Wars Motiv. Sofort fällt auf, dass bei der ursprünglichen VCS-Fassung die beiden oberen Flügelspitzen des X-Wing fehlen. Vermutlich versuchte der Programmierer damit etwas wertvollen Speicherplatz einzusparen.



Return of the Jedi - Death Star Battle
Programmierer: Ray Miller, 1983

Star Wars - Return of the Jedi - Death Star Battle (Atari VCS, 1983) Star Wars - Return of the Jedi - Death Star Battle (Atari VCS, 1983)

Im Frühjahr 1983 wartete die Welt gespannt auf den vorerst letzten Teil der berühmten Star Wars Trilogie. "Die Rückkehr der Jedi Ritter" sollte im Sommer in Amerika anlaufen und wie damals allgemein üblich, mit circa sechs Monaten Verzögerung in Deutschland erscheinen, gerade rechtzeitig zu Weihnachten. Natürlich kündigte Parker auch für diesen neuen Teil weitere Konsolenspiele an.

Aus dem Parker Prospekt, Frühjahr 1983: Revenge of the Jedi, Game I und II.

Revenge of the Jedi, Game I Revenge of the Jedi, Game II

Diese beiden Programme wurden immer wieder in verschiedenen Katalogen angekündigt, überraschenderweise jedoch niemals veröffentlicht, dafür verblüffte Parker mit einem ganz anderen Titel zum dritten Teil der Serie. Angesichts der opulenten Aufmachung waren die Erwartungen an "Death Star Battle" ziemlich hoch. Das Spiel glänzte mit ausgezeichneter Grafik und einer stimmigen Handlung. Alleine die Verpackung versprach schon handfeste Star Wars Action.

Die Aufgabe bestand darin, in der Rolle des Lando Calrissian mit dem rasenden Falken den im Bau befindlichen, aber bereits voll einsatzbereiten Todesstern anzugreifen und zu zerstören. Im ersten Level musste sich der Falke gegen unterschiedliche imperiale Jäger zur Wehr setzen und abwarten bis sich im Schutzschild, das genau in der Bildschirmmitte verlief, eine Lücke auftat. Danach konnte er sich dem Todesstern direkt annähern. In der zweiten Spielstufe, die sich kaum von der Ersten unterschied, versuchte nun der Spieler ein Loch in den Todesstern zu feuern, während zeitgleich wiederum imperiale Schiffe attackierten.

Level 1 (linke Abbildung)
   Level 2 (rechte Abbildung)

Star Wars - Return of the Jedi - Death Star Battle (Level 1 und 2)

Der Todesstern selbst setzte ebenfalls alle paar Sekunden mit Laserbeschuss ein, bevor ihm durch einen Volltreffer im Reaktorkern ein schnelles Ende bereitet wurde. Dieser finale Kampf erinnert fast ein wenig an das Mutterschiff aus dem Spielhallenklassiker Phoenix. Alles in allem ist Death Star Battle aber eine Mogelpackung, gute Grafikelemente überdecken wie so oft ein recht simples Ballerspiel. Besonders das eingeschränkte Bewegungsfeld des Falken auf nur 50 Prozent der Bildschirmfläche ist außerordentlich störend macht den Spielanreiz schnell zunichte. Nur der unmittelbare Kampf gegen den Todesstern rettet das Spiel vor einer wirklich dürftigen Bewertung.



Der Prototyp - Ewok Adventure
Programmierer: Larry Gelberg, nicht veröffentlicht (1997 entdeckt)

Star Wars - Ewok Adventure (nicht veröffentlicht, 1997 entdeckt) Star Wars - Ewok Adventure (nicht veröffentlicht, 1997 entdeckt)

Revenge of the Jedi, Game I wurde 1983 in verschiedenen Katalogen angekündigt, bis zur Serienreife fertiggestellt, kam aber nie offiziell in den Handel. Erst im Jahr 1997 fand man bei einem ehemaligen Parker Mitarbeiter ein lauffähiges Prototyp-Modul. "Ewok Adventure" beruht auf der Schlacht um den Waldmond Endor und lässt uns als kleiner wuscheliger Ewok mit einem Gleitschirm imperiale Truppen aus der Luft bekämpfen, mit dem Ziel, bis zum feindlichen Schutzschildgenerator vorzudringen und ihn außer Kraft zu setzen.

Durch den Einsatz auf Endor war es der Rebellenallianz überhaupt erst möglich mit Ihrer gesamten Flotte den neuen Todesstern anzugreifen. Da genau hier die Handlung von "Death Star Battle" einsetzt, handelt es sich also tatsächlich um das angekündigte Revenge of the Jedi, Game II, programmiert von Ray Miller. Die beiden früheren Katalogbilder waren also faktisch nur Platzhalter in der Anfangsphase von "Death Star Battle" und "Ewok Adventure".

Das Geheimnis des "Ewok Adventures"

Warum aber kam dann das fertiggestellte "Ewok Adventure" nicht mehr in den Handel? Der ehemalige Entwickler Larry Gelberg erzählt darüber im Internet, dass seine komplizierte Steuerung die Marketingabteilung überforderte und die Verantwortlichen von Parker das Spiel deshalb einfach nicht mochten. Anscheinend ein ausreichender Grund, dass neuartige Konzept zu verwerfen. Der Ewok-Gleiter wurde mit "rechts und links" in die jeweilige Richtung gelenkt, durch "vor und zurück" am Joystick bestand die Möglichkeit nach oben und unten zu steuern. Genau wie bei Zaxxon zeigte ein Schatten auf dem Boden die tatsächliche Flughöhe an. Natürlich konnte der Spieler so auch über seine Gegner einfach hinwegfliegen. Für die damaligen Verhältnisse ein sehr komplexes Prinzip, trotzdem unterschätze Parker die physischen Fähigkeiten seiner Kunden. Nicht umsonst war auch Zaxxon gerade durch seine bahnbrechende 3D-Grafik und Steuerung ein galaktischer Erfolg in der Spielhalle.

Zu schwierig zu steuern?

Die Marketingleute versuchten Larry Gelberg noch zu überreden die eigenwillige Kontrolle des Gleiters zu überdenken, sie wollten lieber das allgemein übliche 8-Wege-Prinzip. Larry aber war jung und von seiner Arbeit überzeugt, was letzten Endes dazu führte, dass Parker den Verkauf für das bereits fertige Produkt unerwartet einstellte. Die wenigen Personen die "Ewok Adventure" jemals zu Gesicht bekamen behaupten jedenfalls, es sei ein exzellentes Game gewesen, mit Ausnahme der sparsamen Soundelemente, vielleicht sogar das Beste der gesamten Parker Serie.

Star Wars - Ewok Adventure (nicht veröffentlicht, 1997 entdeckt) Star Wars - Ewok Adventure (nicht veröffentlicht, 1997 entdeckt)

Einige Bilder des seltenen Prototypen. Lucasfilm vergab zuvor die Restriktion an den Programmierer, dass bei der Umsetzung keinerlei Ewoks ums Leben kommen dürfen. Zu groß war wohl die Angst, hier eventuell das Image der tapsigen Ureinwohner auf Spiel zu setzen. Eine neue Philosophie, die besonders in den mit Kitsch durchzogenen neuen Episoden bis an die Schmerzgrenze fortgeführt wurde, die Zuschauer aber schon 1983 mit dem Auftauchen der niedlichen Ewoks erstmals deutlich spüren konnten.



Die Programmierer der ersten "Star Wars" Videospiele

Das sind sie also. Die Helden hinter den Star Wars Videospielen der ersten Stunde. Anders als Ewok Adventure wurde "Frogger II: Threeedeep!" von Larry Gelberg im Jahre 1984 veröffentlicht. Joe Emerson programmierte 1984 am Spiel "The Holy Grail" mit. Larry, Joe und Ray waren eng befreundet zu dieser Zeit.

Larry Gelberg, Joe Emerson, Ray Miller, Dezember 1984 (von links)
Abbildung:
Larry Gelberg, Joe Emerson, Ray Miller, Dezember 1984 (von links)



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