E.T. und die Legende von New Mexiko
(Teil 1 | Teil 2 | Teil 3)
Ein Artikel von
Guido Frank im September 2004.
Hollywood als Videospiel
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Softwareproduzenten versuchen immer wieder gern auf der Welle erfolgreicher
Hollywood-Blockbuster mitzuschwimmen. Spiderman, Herr der Ringe oder
Matrix - kaum ein aktueller Kinohit für den nicht auch ein passender
Softwaretitel im Handel erscheint. Leider hat uns die Vergangenheit gezeigt,
daß gerade solche Programme oft mit massiven Mängeln behaftet sind.
Weshalb ausgerechnet Filmumsetzungen sehr häufig nicht der gewünschten
Qualität entsprechen hat allerdings ganz logische Ursachen.
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Zum einen investieren die Hersteller bereits im Vorfeld sehr viel Geld in die
Filmlizenz. Solche Ausgaben fehlen später an anderer Stelle wie beispielsweise
bei der Entwicklung des Spiels. Andererseits stehen die Programmierer permanent
unter Zeitdruck, weil das Release termingerecht mit dem Kinostart erfolgen muss.
Manchmal ist aber einfach nur die Handlung des Films schlichtweg ungeeignet für
ein interessantes Gameplay. Aus diesen Gründen bleibt der Verkauf von
Filmumsetzungen teilweise hinter den Erwartungen zurück oder endet in einigen
Fällen sogar in einem totalen Desaster. Auch die Firma Atari blieb von dieser
Erfahrung nicht verschont.
1982 - E.T. erscheint für das Atari VCS
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Atari verzichtete - speziell im Konsolenbereich - anfangs noch auf Filmumsetzungen.
Lizenzprodukte beschränkten sich dort (mit Ausnahme von Superman) einzig
auf Adaptionen aus der Spielhalle. Aber 1982 war es dann endlich soweit: mit
Raiders of the lost Ark und E.T. erschienen gleich zwei
Hollywood-Produktionen exklusiv für das Atari VCS.
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Der junge Regisseur Steven Spielberg erlebte mit diesen Filmen seinen
endgültigen Durchbruch. Doch der Firma Atari brachten die Lizenzspiele leider
kein besonderes Glück. Ausgerechnet das Weltraummärchen E.T. entwickelte
sich zum größten Verkaufsflop in der damaligen Firmengeschichte.
Tatsächlich kann man die Konsolenumsetzung des berühmten Klassikers heute
als den
Anfang vom Ende der goldenen Atari Ära bezeichnen.
Bald ist's Weihnachtszeit...
Das knuffige kleine Alien aus E.T. ließ weltweit alle Kinderherzen höher
schlagen. Hier ein passendes Videospiel
(RealVideo | Dateigröße: 692k)
zu vermarkten konnte eigentlich nur einen Riesenerfolg erzielen. An dieses Ergebnis
glaubte jedenfalls Steve Ross - zu jener Zeit Geschäftsführer von Warner
Communications. Der Plan: E.T. sollte den Umsatz für das kommende
Weihnachtsgeschäft sicherstellen, nachdem die Erträge im ersten Halbjahr
1982 nicht ganz so positiv ausfielen wie eigentlich erwartet.
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Aber darin lag bereits das erste große Problem. Denn damit das Spiel überhaupt
bis Weihnachten in den Regalen liegen konnte, musste die Entwicklungsphase bis Anfang
September abgeschlossen sein. Die Lizenzverhandlungen mit Spielberg endeten
jedoch erst im späten Juli. Deshalb verblieben nur noch knapp sechs Wochen Zeit,
für einen Vorgang der normalerweise mehrere Monate in Anspruch nahm.
Atari Manager Ray Kassar äußerte seine Zweifel über solche Pläne,
zumindest hatte er große Bedenken was den zeitlichen Ablauf betraf.
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Doch Steve Ross ließ sich nicht mehr umstimmen, die Rechte waren eingekauft
und so blieb nichts anderes übrig, als das Vorhaben bis zum bitteren Ende
durchzuziehen. Hohe Erwartungen an das Spiel - ein unrealistischer Termin. Bei
solchen Voraussetzungen verweigerten sogar die Entwickler im eigenen Haus das neue
Projekt. Schließlich überredete Ray Kassar zusammen mit Steven Spielberg
(RealVideo | Dateigröße: 1.230k)
den Programmierer
Howard Scott Warshaw, der gerade kurz zuvor mit
"Yars' Revenge" einen erfolgreichen Atari-Hit entwickelt hatte, diese
Herausforderung anzunehmen.
Howard Scott Warshaw - Atari Game Designer von 1981 bis 1984
Game History:
- Yars' Revenge (1982)
- Raiders of the lost Ark (1982)
- E.T. (1982)
- Saboteur (VCS Prototyp - Release erfolgte 2004 über Atari Age)
- Battletanx (1995 für Sony PSOne)
Das Rassak Sternensystem
Für alle die sich bis heute die Frage stellen was der skurrile Name
"Yars' Revenge" eigentlich genau bedeutet: Laut VCS Spielanleitung
lebte die mutierte Superfliege "Yar" (rückwärts gesprochen "Ray")
in dem Sternensystem "Rassak" (rückwärts gesprochen "Kassar").
Also bedeutete "Yar" und "Rassak" genaugenommen "Ray Kassar".
Der ungewöhnliche Titel enthielt insgeheim eine Kampfansage des
Managers an die aufkommende Konkurrenz der Firma Activision.
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Ehemalige Atari Programmierer hatten die neue Softwareschmiede
ins Leben gerufen und machten nun mit erstklassigen Produkten
ihrem alten Arbeitgeber den Markt streitig. Kein Wunder das Kassar
darauf nicht gerade gut zu sprechen war. Unglaublich: Yars' Revenge
ist inzwischen sogar für den Nintendo Gameboy erhältlich. Über die
Qualität dieser Atari VCS Adaption ist uns aber leider nichts
genaues bekannt. Auf dem Bild Rechts könnt ihr Howard Scott Warshaw mit seinen
grossen Atari-Hits sehen.
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