Interview mit Monty Mole von C64 Longplays
(Teil 1 | Teil 2)
Von
André Eymann im März 2008
Monty Mole: Der Start für C64 Longplays war irgendwann Anfang
2003. Ursprünglich wollte ich eine Lösungsseite für C64 Spiele machen,
stellte aber schnell fest, das es bereits qualitativ wirklich
gute Seiten gab. Da ergab es keinen Sinn noch ein Angebot ins Netz zu stellen.
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Deshalb schaute ich ob es nicht die Möglichkeit gibt die Spiele direkt als
Video aufzuzeichnen und anzubieten. Wirklich viel geplant war das nicht.
Das war anfangs mehr eine Spielerei und ich ging nicht davon aus, dass ich
das länger als ein Jahr machen würde bzw. das sich überhaupt mehr als 5-6
Leute dafür interessieren würden. Die ersten Videos hatten noch eine furchtbare
Qualität, weil ich auch keinerlei Ahnung von Videokomprimierung hatte.
Ich glaube die sind im Netz auch nicht mehr zu finden, was sicherlich keine
allzu schlechte Sache ist.
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Wir verteilten die Sachen über einen kleinen Privatserver von meinem
Kollegen aus, übrigens derselbe der mich knapp 18 Jahre zuvor überhaupt auf
den C64 gebracht hat, und ich postete die Links in einigen Newslettern und
Foren. Irgendwann reichte die Bandbreite nicht mehr aus weshalb wir auf
Emule auswichen was auch 2-3 Jahre so bleiben sollte. Die Unterstützer und
Helfer des Projektes haben die letzten Jahre eigentlich recht häufig
gewechselt. Bartmans Server benutzen wir seit knapp 2-3 Jahren und der
jetzige Webmaster ist seit knapp einem Jahr dabei. Von den Longplayern ist
Tayo mit derjenige, der am längsten vertreten ist.
André Eymann: Wie finanzierst Du das Projekt?
Monty Mole: Das Gute an dem Projekt ist, dass sich die Kosten ziemlich
in Grenzen halten. Die Seite selbst kostet mich knapp zwei Euro monatlich
und der Webspace auf dem die Longplays gelagert werden, wird von Bartman
gesponsert. Ohne Bartman wäre das Longplayprojekt mittlerweile wohl auch
schon eingestellt worden. Bevor wir den Webspace hatten, wurden die
Longplays noch über Emule verteilt weshalb ich den Rechner auch rund um die
Uhr laufen ließ. Da ich das finanziell mittlerweile nicht mehr könnte,
wäre die Verteilung nicht mehr möglich gewesen. Gerade durch Bartmans Hilfe
ist das Projekt deutlich komfortabler und populärer geworden. Das ist auch
der Grund, warum ich es mir leisten kann, C64 Longplays ohne Werbung zu
betreiben. Ich habe einfach keine Ausgaben, die ich irgendwie tragen
müsste.
André Eymann: Warum ist das von Dir geplante TV-Konzept,
bei dem Du als Host durch Sendungen zum Thema führen wolltest, eigentlich
gescheitert?
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Monty Mole: Ich hatte Interesse ein wirklich informatives Format zu
gestalten und arbeitete, zusammen mit einem Kollegen der Medienwissenschaften
studiert, ein Konzept aus. Die Entwürfe wurden aber nicht einmal beachtet
bzw. es wurde vermieden diese anzusprechen. Mir schien, die suchten eher
einen nützlichen Retrospinner für die Quote, an dem man noch einen schnellen
Euro verdienen konnte.
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Was telefonisch alles abgesprochen wurde werde ich jetzt nicht wiedergeben,
da so was nicht nachweisbar ist. Hätte ich aber geahnt, wie die Sendung
abläuft bzw. dass es von vornherein klar war, das man offenbar erwartet das,
ich Werbebanner auf meiner Seite implementiere um die Kosten für meine
regelmäßige Anfahrt zu decken, hätte ich mir die Reise nach München gespart.
Ich hätte schon absagen sollen, als die anfingen um die Reisekosten zu feilschen.
Ich habe bis heute keine Kopie der Sendung bekommen und man fand es
offensichtlich völlig in Ordnung, dass ich, obwohl ich mehrmals betonte das
ich keine Unterkunftsmöglichkeiten in München habe, 5-6 Stunden auf
dem Bahnhof übernachte. Ich hätte kein Hotel erwartet, aber zumindest
eine Schlafcoach wäre nett gewesen.
Jetzt alles abzuhandeln würde zu lange dauern, allerdings bin ich nicht
sonderlich gut auf den Sender zu sprechen. Ich hatte nicht einmal das Gefühl
das der Verantwortliche sonderlich viel Interesse an der Computerspielerkultur
hat, sondern eher einen Markt wittert bei dem man mit wenig Aufwand schnell
was verdienen kann. Allerdings habe ich wenig Lust, dass das auf meine Kosten
geschieht. Das Gute an der Sache ist allerdings, dass die Vorarbeit die ich
für eine potentielle Sendung leistete, der Startschuss für das
"C64 Game Video Archive" war.
André Eymann: Das klingt wirklich enttäuschend. Grundsätzlich
ist das Archivieren und Anbieten der C64-Spielevideos natürlich eine Aufgabe,
die neben viel Zeit auch viel Geld verschlingen kann. Kommt die geplante
Kooperation mit "archive.org" Deinem Ziel eines professionellen
Archivs näher? Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?
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Monty Mole: Die Zusammenarbeit ist recht simpel. archive.org hat mir einen eigenen Unterpunkt
eingerichtet, in dem ich das neue Gamevideoarchive hosten kann ohne mich
mit technischen Aspekten rumzuärgern oder ständig
auf den Webspace schielen muss. Dadurch kann ich die Videos in einer
deutlich besseren Qualität anbieten. Ich brauche keine Werbung schalten,
bin nicht an zeitlichen Abgaben gebunden und behalte die volle Kontrolle
über das Projekt.
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archive.org ist ein recht ehrgeiziges und wirklich interessantes Projekt das es sich zur Aufgabe
gemacht hat alles an kulturellen digitalen Gütern zu archivieren und für
die Nachwelt zu erhalten. Das ist auch der Grund warum ich eine Zusammenarbeit
anstrebte. Dort scheint mir das C64-Projekt wirklich in guten Händen zu sein.
André Eymann: Soweit ich weiß, handelt es sich bei
archive.org um ein amerikanisches Projekt. Wie kam es zu dem Kontakt
zwischen euch?
Monty Mole: Ich habe die einfach mal angeschrieben. Eigentlich war
das neue C64 Game Video Archive mehr eine Arbeit auf Vorschuss. Nachdem aus
der Zusammenarbeit mit dem Sender nichts wurde, wollte ich die Idee das ganze
Projekt mehr in die computerspielhistorische Ecke zu heben, nicht einfach
unter den Tisch fallen lassen.
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Das war der Startschuss für die neue Serie bei der ich die Videos,
ungeachtet deren Größe, in einer weitaus besseren Qualität anbieten wollte
als bisher. Mir war von vorneherein klar das ich bei dem Projekt definitiv
einen stärkeren Hoster brauchte, da die Videos zum Teil wirklich sehr groß
werden würden. Anfangs habe ich die Videos über diverse Portale zum
Livestream angeboten. Und als ich genügend hatte fing ich an die ersten 50-60 bei Archive.org in
die allgemeine Uploadrubrik hochzuladen um was vorweisen zu können.
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Im Anschluss fragte ich einfach mal per E-Mail, nach ob die Interessen hätten
mir für die Serie eine eigene Rubrik zu geben und die waren wirklich
begeistert von der Idee und halfen mir zum Teil auch bei den englischen
Texten. Nebenbei: ich bezweifle zwar das sie das lesen wird aber ich möchte
mich hier direkt mal bei Renata Ewing bedanken, die mir bei meinen
anfänglichen Schwierigkeiten sehr geholfen hat.
André Eymann: Was machst Du im "normalen" Leben? Zum
Beispiel beruflich?
Monty Mole: Beruflich sieht es zurzeit leider recht mau aus.
Gelegentlich arbeite ich ehrenamtlich in sozialen Bereichen, aber etwas wirklich
Festes habe ich leider nicht. Vorher habe ich meist in Pflegeberufen
gearbeitet und versuche da auch seit einiger Zeit wieder fest reinzukommen.
Ansonsten habe ich neben den C64 Projekt noch ein Onlinecomic und bin Teil
eines kleineres Comiczirkels namens "Buddelfisch Comics". Ich bin als Zeichner
noch nicht wirklich gut, werde mich da in Zukunft aber wieder etwas näher
mit befassen. Zuletzt hat meine Serie etwas gelitten, weil mich das C64 Projekt
recht stark einspannte. Ansonsten führe ich eigentlich ein recht
zurückgezogenes Leben. Wenn ich nicht gerade an meinen Projekten sitze, treffe
ich mich ab und an mit 2-3 Freunden zu einem geselligen Video oder
Spielabend oder bin viel mit dem Fahrrad unterwegs. Eigentlich recht
langweilig und schrecklich bieder.
André Eymann: Was würdest Du mit dem Projekt anfangen,
wenn Du unbegrenzt Zeit und Geld hättest?
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Monty Mole: Vermutlich würde ich mehr Zeit zum Spielen investieren und meinen Rechner noch einmal
deutlich aufstocken. Gerade bei Videobearbeitung merkt man recht schnell den
Ausbau der Rechnerqualität. Vermutlich würde ich auch
professionellere Schnittprogramme kaufen. VirtualDub bietet für ein
Open Source Programm wirklich viel und ich kann alles umsetzen was ich
benötige. Aber ein professionelleres Schnittprogramm wäre von der Handhabe
her natürlich komfortabler.
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Vermutlich würde ich das Geld auch nutzen, um an
die damaligen Entwickler zu kommen und würde versuchen sie für ein Vorwort
zu den Videos zu motivieren. Es wäre natürlich schon klasse, wenn die damaligen
Programmierer vor den Videos persönlich zu Wort kommen und ein Vorwort
sprechen würden. Aber das ist natürlich Wunschdenken, ich bezweifle das
ich jemals in der Position sein werde, weder finanziell noch zeitlich,
mal eben um die Welt zu reisen, um meine damaligen Helden zu einem
Vorwort zu bringen.
André Eymann: Monty, wir bedanken uns für das
freundliche und ausführliche Interview und wünschen Dir weiterhin
viel Erfolg mit Deiner Arbeit.
Links
- C64 Longplays:
http://www.c64-longplays.de
- C64 Game Video Archive:
http://www.archive.org/details/C64Gamevideoarchive
- Comics von Monty Mole:
http://attackofthe50footcomics.horror-perlen.de/?p=34
(Teil 1 | Teil 2)
© 2008
André Eymann
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